Auch das Selbstporträt von Philipp Veit aus dem Jahr 1816 hat eine besondere Anziehungskraft und gleicht vom dargestellten Bildausschnitt einer Art Passbild. Veit gehörte der deutschsprachigen Künstlergemeinschaft der Nazarener an, die sich im 19. Jahrhundert in Rom und Wien religiösen Themen widmeten. Das Selbstporträt bietet einen tiefen Einblick in die Selbstwahrnehmung des Künstlers und zeigt, wie er sich selbst sieht: als einen jungen, selbstbewussten und aufstrebenden Maler des 19. Jahrhunderts. Der Betrachter tritt mit Veit in Kontakt, was die Intimität und Authentizität verstärken.
Besonders bemerkenswert sind die lebendigen Augen, die den Betrachter direkt anblicken und eine Verbindung schaffen. Der Kontrast zwischen dem dunklen Hintergrund und dem hellen Kragen hebt die Figur zusätzlich hervor und lässt die Details des Gesichts und der Kleidung eindrucksvoll zur Geltung kommen. Die Wahl der altdeutschen Tracht als politisches Statement verdeutlicht zudem, wie wichtig auch Identität und Herkunft für Künstler waren. Indem der Maler seine deutsche Herkunft auch in Rom als Angehöriger des Lukasbunds betont, positioniert er sich nicht nur kulturell, sondern auch politisch.
Durch die Malweise zeigt Veit seine Verbundenheit mit der Malerei der altmeisterlichen Vorbilder wie Dürer und Raffael. Selbstporträts spielen in der Malerei seit dem 16. Jahrhundert eine immer größere Rolle und sprechen für ein neues Selbstbewusstsein der Künstler, das bis heute anhält. Im digitalen Zeitalter sind es aber gerade nicht die selbst gemalten Porträts, welche der Selbstdarstellung dienen, sondern die vermehrte Nutzung von Selfies. Diese Fotos unterstreichen nicht nur den Ausdruck der eigenen Identität, sondern fördern auch die Interaktion mit anderen. Es ist erstaunlich zu sehen, wie soziale Medien diese Form der Kommunikation und Selbstdarstellung revolutioniert haben.
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