Am Schluss der Betrachtungsreihe von Frauenbildern steht Georg Meistermanns 1952 entstandenes Ölbild „Graue Haube“. Die Redewendung „unter die Haube kommen“ umschreibt die Verheiratung einer Frau. Somit galt eine Haube lange Zeit als Zeichen der Frauenwürde und der Wohlanständigkeit und war in ganz Europa fester Bestandteil fast aller Frauentrachten. Aufgrund des Titels darf man also annehmen, dass Meistermann hier eine Frau - freilich nicht erkennbar individualisiert - gemalt hat. Und auch die häufig für weibliche Hauben charakteristischen Bänder, die unter dem Kinn gebunden werden, scheint er dargestellt zu haben. Wir sehen von dünnen schwarzen Linien begrenzte Flächen, die mit je einer Farbe ausgefüllt sind. So sind schemenhaft Schultern und ein - haubengeschützter - Kopf zu assoziieren. Weitere Gesichtsmerkmale kann man sich, in unterschiedlichen Perspektiven gezeigt, heraussuchen.
Meistermann wollte mit diesen abstrakten Formen natürlich keine reale Frau mit Haube abbilden. Das Konzept des Frauenporträts diente ihm lediglich als Ausgangspunkt. Durch die Abstraktion des Sujets, also die Auflösung der konkreten und wiedererkennbaren Bestandteile, möchte Meistermann die Gattung auf eine andere Ebene heben, die das Wesentliche hinter den Sehgewohnheiten zeigen soll.
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