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Kaufhaus Tietz, heute Galeria

Kaufhaus Tietz, heute Galeria
© GDKE, Landesmuseum Mainz, Foto: T. Bast

Kaufhaus Tietz, heute Galeria

Als Karoline Weis hier lebte, stand auch ein Kaufhaus an dieser Stelle: Das Kaufhaus Tietz. Das Kaufhaus Tietz hatte jüdische Besitzer und geriet so in das Fadenkreuz der Nationalsozialisten. In der nationalsozialistischen Überzeugung war der Antisemitismus ein zentraler Punkt. Gemäß der Vorstellung der Nationalsozialisten sollten Juden aus der deutschen Gesellschaft verschwinden. Mit dem Verschwinden der Juden sollten sich dann alle gesellschaftlichen Probleme in Deutschland auflösen.

1933 erreichten die Nationalsozialisten einen großen Wahlsieg. Sie begannen sofort mit der Errichtung der Diktatur. Damit begann auch die Unterdrückung der Juden.

1933 am Abend des 9. März, einem Donnerstag, erschienen hier SA-Männer und bedrängten die Kunden das Geschäft zu verlassen oder hinderten sie am Betreten. Dieser erste Boykott in Mainz endete erst nach sechs Tagen. Zwei Wochen später, am 1. April 1933 gab es einen zweiten Boykott, diesmal nicht nur in Mainz, sondern in ganz Deutschland. Wieder erschienen SA-Leute, wieder bedrängten sie die Kunden. Diesmal traf der Boykott auch Ärzte und Rechtsanwälte. Doch dieser Boykott endete offiziell schon nach einem Tag. Die Machthaber befürchteten negative Reaktionen aus dem Ausland mit Auswirkungen auf den deutschen Export.

Der Druck der Nationalsozialisten auf jüdische Gewerbetreibende blieb bestehen. Auch die Leonhard Tietz-AG konnte nicht standhalten. Das Unternehmen blieb im Visier der Nationalsozialisten. Die jüdischen Vorstandmitglieder wurden aus dem Vorstand entfernt und Alfred Leonhard Tietz musste die Geschäftsführung des Warenhauskonzerns abgeben. Die Kaufhäuser erhielten einen neuen Namen. Aus „Ludwig Tietz“ wurde „Westdeutscher Kaufhof“, ab 1953 einfach Kaufhof genannt.

Juden wurden bis zum Ende der dreißiger Jahre völlig aus der Wirtschaft verdrängt. Diese Vorgänge nannte man damals Arisierung oder Entjudung. Typische Vorgehensweise: Jüdische Besitzer wurden zum Verkauf gezwungen, bezahlt wurde, wenn überhaupt, nur ein Spottpreis. Der Käufer war dann ein Nichtjude, ein sogenannter Arier - oft genug ein einflussreicher Nationalsozialist. In Mainz gab es ungefähr dreihundertdreißig Firmen in jüdischem Besitz. Fast die Hälfe aller berufstätigen Juden in Mainz waren Selbstständige. Die jüdischen Geschäftsleute verloren ihre Betriebe, und nach 1938 mussten die letzten jüdischen Selbstständigen aufgeben.

Die Verdrängung aus dem wirtschaftlichen Leben betraf nicht nur Selbständige. Ab 1933 wurden jüdische Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst entfernt. Es traf den Leiter der Mainzer Gesundheitsbehörde, Heinrich Rosenhaupt oder den Kustos der Mainzer Gemäldegalerie, Rudolf  Busch, aber auch Lehrer, wie zum Beispiel Johanna Sichel, die in der Höheren Mädchenschule Anna Seghers unterrichtet hatte. Die Verordnungen breiteten sich aus, es gab immer mehr Berufsverbote. Jüdische Rechtsanwälte durften nicht mehr vor Gericht, jüdische Ärzte durften ihre nichtjüdischen Patienten nicht mehr behandeln.

Mit den Berufsverboten und der Arisierung war vielen Juden die Lebensgrundlage entzogen. Sie mussten vom Ersparten leben und begannen, ihren Besitz zu verkaufen. Viele deutsche Juden konnten ihren Lebensunterhalt nur durch fremde Hilfe bestreiten. Auch Karoline Weis konnte nach 1936 ihren Lebensunterhalt nicht mehr selbst bestreiten. Sie wurde von ihren Geschwistern unterstützt.

Geht man die Schusterstraße weiter entlang und durch die Fußgängerzone, so erreicht man den Dom und den Marktplatz. Wenn man sich dort nach links wendet, den Marktbrunnen und  die Heunensäule passiert, dann steht man auf dem Liebfrauenplatz. Hier kann man Marktszenen erleben, wie sie auf dem Aquarell von Alfred Mumbächer zu sehen sind, das einst Karoline Weis gehörte.

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