In den jüdischen Gemeinden der größeren Städte nehmen die liberalen Kräfte zu, die sich den Idealen der jüdischen Aufklärung (Haskala) verpflichtet fühlen. Sie versuchen das traditionelle Judentum mit der modernen Kultur in Einklang zu bringen. Dies ruft Widerstände bei den traditionell gesinnten Familien hervor. Nach dem Vorbild von Frankfurt (1828) gründen orthodoxe Gemeindemitglieder 1856 in Mainz und 1879 in Trier „Israelitische Religionsgesellschaften“. In Worms stiftet Leopold Levy 1875 eine Synagoge für die Orthodoxen, die Spaltung der Gemeinde wird aber vermieden.
Auf dem Land entstehen im 19. Jahrhundert viele Synagogen wie beispielsweise 1858 in der kleinen jüdischen Gemeinde in Saffig. Zuvor nutzte die Gemeinde vermutlich einen privaten Betraum.
Mit der Reichsgründung werden Juden rechtlich gleichgestellt. Es ist die erste formale Gleichstellung. Eine Welle des Patriotismus breitet sich auch unter der jüdischen Bevölkerung aus.
In den Städten entstehen neue und große Synagogen, die mit dem Aufstieg der jüdischen Gemeinden im Laufe des 19. Jahrhunderts oft sehr aufwändig gestaltet werden. Sie sind ein Signal des Ankommens und Bleibenwollens. Manche Synagogen, wie z. B. in Kaiserslautern, werden im maurisch- byzantinischen Stil erbaut.
Ziel der Vereinigung ist es, die zionistische Bewegung in Deutschland zu stärken. Der Delegiertentag dient zur Vorbereitung auf den ersten Zionistenkongress in Basel. Dort soll die Errichtung einer öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina als Hauptziel formuliert werden. Der Name „National-jüdische Vereinigung für Deutschland“ wird in Basel beschlossen, initiiert vom Binger Rechtsanwalt Dr. Rudolf Schauer.
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