Nach den Unruhen von 1615 muss der Synagogenkomplex in Worms wiederhergestellt werden. Die Frauenschul erhält nun einen repräsentativen Vorbau, in dessen Obergeschoss eine Stube für den Gemeindevorstand eingerichtet wird. Der Mäzen David Oppenheim finanziert 1624 außerdem den Bau einer Jeshiwa (Lehrgebäude) und 1626 eines Tahara-Hauses (Haus zur rituellen Leichenwaschung) am Friedhof.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg bessern sich die Verhältnisse in Deutschland auch für die jüdische Bevölkerung. In vielen Kleinstädten und sogar Dörfern entstehen kleinere Gemeinschaften, die bald eigene Synagogen und Friedhöfe einrichten. Ihre Aufenthaltserlaubnis sichern sie durch die Zahlung von Abgaben an die Territorialherren; ihren Unterhalt durch Vieh- und Kleinhandel, in der Pfalz auch durch die Vermarktung von Wein.
Neuwied (gegr. 1653) erhält von Graf Friedrich III. ein Stadtrecht, das allen Bürgern die freie Ausübung ihrer Religion in ihren Häusern erlaubt. Im 18. Jahrhundert leben hier bereits Angehörige von sieben Konfessionen. Die Kartierung ihrer Wohnhäuser zeigt, dass die Menschen in denselben Straßenvierteln lebten, es also keine Ghettos gab. Im selben Jahr ordnet der Mainzer Kurfürst dagegen an, dass in seiner Hauptstadt alle Juden in der engen Judengasse leben müssen.
Die Organisation der Armenfürsorge (Zedaka) ist von jeher zentral für die jüdischen Gemeinden. In der Neuzeit wird diese Aufgabe von Vereinen übernommen. In Koblenz wird ein solcher Verein 1776 gegründet. Er ist ein Zeichen des Zusammenhalts und der Fürsorge in einer oft herausfordernden Zeit. Er ist einer der ersten seiner Art in Rheinland-Pfalz.
Diese amtliche Verordnung macht Landrecht und Landesgerichte auch für die Juden verbindlich. Es sieht die Schulpflicht und die Öffnung der Landesschulen für jüdische Kinder vor und stellt Juden und Christen beim Erwerb von Grundbesitz gleich. Es erlaubt Juden die Errichtung von Manufakturen und in Berufen tätig zu sein, die nicht in Zünften organisiert sind. Zugleich schränkt es die Selbstverwaltung der jüdischen Gemeinden und die Rechtsprechung durch die Rabbiner ein. An der Universität Mainz dürfen Juden nun Medizin studieren.
Während der Französischen Revolution wird die Gleichberechtigung jüdischer Bürger in Mainz und den linksrheinischen Gebieten vorangetrieben. Die Reformen umfassen die Anerkennung der jüdischen Einwohner als gleichberechtigte Bürger. Die Reformen sind ein Meilenstein in der Geschichte der jüdischen Gemeinschaft in den von Frankreich besetzten Teilen des Reiches.
Im Zuge der Reformen während der Französischen Revolution erhalten Juden die Erlaubnis, ihre Berufe und ihr Gewerbe frei auszuüben. Zudem sind Juden nicht mehr verpflichtet, in bestimmten Vierteln zu wohnen. Dies ist ein bedeutender Schritt in Richtung Gleichberechtigung und Selbstbestimmung der jüdischen Bürger in Rheinland-Pfalz.
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