Eleganz, Anmut, Stille und manchmal Trauer, das sind die Assoziationen, welche die Skulpturen von Wilhelm Lehmbruck auslösen. Sein charakteristischer Stil mit überlängten Proportionen der menschlichen Gestalt, macht ihn neben Ernst Barlach zum bekanntesten deutschen Bildhauer der klassischen Moderne. Nach seinem Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie, zieht er 1910 in die Kunstmetropole Paris. Bereits seit drei Jahren nahm er dort an den jährlichen Kunstausstellungen in Grand Palais teil, aber erst im Herbstsalon 1911 feiert er mit der monumentalen „Knienden“ seinen künstlerischen Durchbruch. Durch ihre fast vollständige Nacktheit und die überlängten Gliedmaßen vollzieht Lehmbruck einen radikalen Bruch mit der Bildhauertradition und schockiert dadurch die damaligen Betrachterinnen und Betrachter. International bekannt wurde die Plastik 1913, als Lehmbruck als einziger deutscher Bildhauer an der Armory Show in New York, Boston und Chicago teilnehmen durfte.
Die „große Kniende“ erlangte auch traurige Berühmtheit: Sie war in der Version als Steinguss eine der zentralen Skulpturen in der Schandausstellung „entartete Kunst“, die die Nationalsozialisten 1937 in München ausrichteten. Dadurch wurde sie rückblickend gleichsam zum Sinnbild der verfemten Moderne. Lehmbruck selbst war kein Jude und nach seinem Freitod 1919 schon viele Jahre nicht mehr am Leben. Dennoch wurde die „große Kniende“ sowie andere seiner Werke aus Museen konfisziert und diffamiert, da diese nicht dem naturalistischen Kunstideal des nationalsozialistischen Regimes entsprachen. In der Ausstellung „entartete Kunst“, die durch viele Städte Deutschlands tourte, war die Kunst respektlos, dicht an dicht, oft ohne Bilderrahmen auf mit Sprüchen beschmierte Wände gehängt. Allein in München wurden damals 650 Kunstwerke aus 32 deutschen Museen gezeigt. 1955 wird Lehmbrucks „große Kniende“ auf der documenta 1 in Kassel zentral inszeniert und rehabilitiert.
Wilhelm Lembruck, Große Kniende (GDKE, LMMZ)
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