Im Jahr 1908 läuft die zwischen Paul und Bruno Cassirer vereinbarte Sperrfrist aus. Sie sollte eine direkte Konkurrenz vermeiden. Nun tritt Bruno Cassirer neben dem Verlag auch immer stärker als Kunsthändler auf.
In den Briefen an Max Slevogt finden sich zahlreiche Abrechnungen. Sie enthalten Verkaufslisten und viele Preisangaben. und veranschaulichen Cassirers Verleger-Tätigkeit.
Die Korrespondenz zeigt auch, wie Cassirer als Galerist vorgeht. Er bemüht sich, Slevogt in wichtigen Ausstellungen zu platzieren – auch international. Damit steigert er dessen Bekanntheit und erhöht die Chancen auf Verkäufe.
Manchmal versucht Cassirer, Slevogt zu bestimmten Motiven zu bewegen. Besonders beliebt sind damals Stillleben. Dazu gehört auch dieses Lachsstillleben. Slevogt malt mehrere Bilder mit Lachs oder anderen Fischen.
Aus diesen Abrechnungen geht auch hervor, dass Cassirer in der Regel ein Drittel des Verkaufspreises erhält.
In diesem Brief vom 30.8.1926 schlägt Bruno Cassirer Slevogt vor, doch ein weiteres Stillleben wie dieses Lachsstillleben zu malen.
Lieber Slevogt. Besten Dank für Ihr Telegramm. Ich habe daraufhin Feilchenfeld abgesagt und freue mich, eine kleine Ausstellung von Ihnen bei mir machen zu können. Lieb wären mir einige Angaben über Ihre neuen Bilder und Maße für die Rahmen.
Ich habe noch, wie Sie sich erinnern werden, ein Stilleben mit Flieder von Ihnen, für das mir 3500 Mark geboten sind, also 3000 für Sie. Vielleicht können Sie mir telegrafieren, ob Sie einverstanden sind. Sehr schön wäre es, wenn ich zum Winter auch Stilleben von Ihnen haben könnte. Ich habe inzwischen in Dresden das [Lachsstillleben oder zerschnittener Lachs] mit gesehen, was Sie an Nicolai verkauft haben; ich finde es ausgezeichnet.
Könnten Sie nicht ein bischen nach Lindenhof kommen? Ich würde Ihnen das Auto nach Berlin schicken. Ich weiß ja allerdings nicht, wann Sie nach Berlin kommen. Sie können hier ganz ruhig leben und, wenn Sie wollen, malen. Es ist reizend hier.
Ich will mich nun mehr mit Kunst beschäftigen und, wenn es mir glückt, anbauen, so daß ich kleine, schöne Räume für Bilder bekomme. Meine alte Liebe sitzt doch noch tief in mir. Einen kleinen Saal mit hohem Seitenlicht anzubauen mit Eingang durch den Garten ist sehr gut möglich. Tessenow würde mir das sicher reizend machen. Darüber müssten wir mal sprechen.
Schreiben Sie mir doch, wie es Ihnen geht.
Mit besten Grüßen Ihr Bruno Cassirer
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