Im Jahr 1926 erscheint bei Bruno Cassirer die Folge Schatten und Träume. Den Auftakt bildet ein Selbstbildnis. Damit macht Slevogt sofort deutlich: Es geht um die Erkundung seiner eigenen Schatten.
Besonders eindrucksvoll zeigt dies das Blatt Höllenpein. In scharfen Kontrasten ballen sich verzerrte Figuren zu einer bedrückenden Komposition. Die Hölle erscheint hier nicht nur als mythologischer Ort ewiger Qual. Sie wird auch zum Sinnbild innerer Not.
Zwölf Radierungen mit Kaltnadel umfasst die gesamte Folge. Sie greifen literarische und mythologische Stoffe auf. Dazu gehört auch Shakespeares Macbeth. Diesem widmet Slevogt wenig später eine eigene Lithografie-Folge, die 1927 bei Cassirer erscheint.
Slevogts düstere Visionen sind mehr als Freude am Schrecklichen. Sie sind ein ernsthafter Versuch, sich mit den menschlichen Abgründen auseinanderzusetzen.
Slevogt hatte sich 1922 eine eigene Druckerei auf Neukastel eingerichtet, wo er zusammen mit seinem Schwager Walter Finkler vor allem mit Radierungen experimentierte. Eines der ersten größeren Projekte war die Folge „Schatten und Träume“, von der Slevogt eine Vorzugsausgabe selbst herstellte. In einem Brief vom 3.10.1924 bittet Max Slevogt Cassirer um sein Urteil, ob die Drucke gelungen sind.
Lieber Cassirer!
[…] Sehen Sie sich doch auch die letzten „Schatten u. Träume“ Drucke meines Schwagers an. Ihr Urteil ist mir wichtig. Ich versuche – (die Kaltnadel ist natürlich graphisch am reinsten – auch die einfache Ätzung –) dabei eben doch, mir die Zwischenmittel des Tones nutzbar zu machen – beim Drucken hauptsächlich! – aber nicht in der Form, die dem Blatt so leicht das photomechanische, gravurartige gibt, sondern eine lockere durchlässige Form. – Es wäre mir nun wichtig, zu hören, wieweit sich hierbei Ihr Vorurteil (was vielleicht berechtigt ist – aber doch die Grenzen zu eng läßt) daran stößt. […]
Herzl. Gr. von uns allen Ihr Max Slevogt
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