Die Erzählung von Reineke Fuchs gehört zu den Lieblingswerken von Max Slevogt. In seinen Radierungen verlegt er die Handlung direkt in die Gegenwart.
So taucht Reineke etwa in einem Boxring auf oder auf einer Trabrennbahn– ein direkter Hinweis auf Cassirers Leidenschaft für diesen Sport.
Besonders witzig ist Slevogts Karikatur auf die Kunstwelt. Ein Affe hält einen breiten Maler- anstatt einen Künstlerpinsel in der Hand. Reineke stellt ihn den scheinbar fachkundigen Kunstkennern als neues Talent vor.
Doch Slevogts Reineke ist nicht nur komisch, sondern auch modern und politisch. In der Weimarer Republik wird er zum skrupellosen Aufsteiger in der bürgerlichen Gesellschaft. Für den eigenen Vorteil geht er über Leichen. Am Ende holt ihn der Sensenmann.
Diese Folge von Kaltnadelradierungen ist stilistisch besonders expressiv. Damit gehören sie zu den modernsten Grafiken Slevogts.
Als Dank für ihre langjährige Zusammenarbeit widmet Slevogt die Folge Cassirer, der sich darüber in einem Brief vom 6.9.1928 bei dem Künstler bedankt. In einem Brief vom 8.9. schreibt er auch, dass ihm das Werk gefällt.
Lieber Slevogt!
Ich bin wirklich sehr erfreut über die angekündigten Radierplatten und, wie Sie sich denken können, höchst überrascht über die Widmung, die Sie dem Werk geben wollen. Ich danke Ihnen jetzt nur kurz. Wir werden uns ja hoffentlich in einiger Zeit sehen. Mit den Radierungen werde ich alles so besorgen, wie Sie es wollen und werde sehen, dass die Sachen ganz vorsichtig behandelt werden. Ich schicke Ihnen dann gleich Andrucke. […]
Mit besten Grüssen Bruno Cassirer
Lieber Slevogt!
Nur kurz die Nachricht, dass die neuen Platten gut eingegangen sind. Das Werkchen scheint reizend zu sein. Wenn ich Sie recht verstanden habe, folgt noch ein radiertes Titelblatt und voraussichtlich 2 weitere Platten.
Mit besten Grüssen! Bruno Cassirer
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