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Max Slevogt, Zerschossene Gebäude in Lille am Abend, 1914, Kreide, GDKE, Landesmuseum Mainz, Inv. Nr. GS 1989/99

Max Slevogt, Zerschossene Gebäude in Lille am Abend, 1914, Kreide, GDKE, Landesmuseum Mainz, Inv. Nr. GS 1989/99
GDKE, Landesmuseum Mainz

Kriegstagebuch

Als freiwilliger Kriegsmaler hält Max Slevogt seine Eindrücke in einem Skizzenbuch fest. Einige Seiten daraus sind in der Ausstellung zu sehen.

Er zeichnet Truppenverlegungen, Soldaten und Verwundete. Aber auch tote Pferde und eine Feldschlachterei.

Dieses Blatt hier zeigt zerstörte Häuser in Lille am Abend. Laut Tagebuch entsteht die Skizze in wenigen Minuten. Der Fahrer seines Wagens hält kurz an, um nach dem Weg zu fragen. In dieser kurzen Zeit bannt Slevogt die Szene auf Papier.

Das Motiv nutzt er später erneut. In vereinfachter Form erscheint es auf dem Buchcover des bei Bruno Cassirer verlegten Kriegstagebuches.

Auch Cassirer selbst ist vom Krieg betroffen. Wie er Slevogt in einem Brief schreibt, muss er sich zum Landsturm stellen. Dort werden alle Männer einberufen, die nicht im Heer oder in der Marine dienen.

Cassirer wird am Ende nicht eingezogen. In Berlin arbeitet er offenbar in der Militärverwaltung, führt aber gleichzeitig seinen Verlag weiter.

Slevogt hingegen bricht den Dienst nach nur drei Wochen ab. Die Erlebnisse des Krieges sind für ihn zu erschütternd.


In einem Brief vom 17.8.1914 berichtet Cassirer Slevogt von der aktuellen politischen Situation kurz nach Ausbruch des 1. Weltkriegs aus Berlin.

Lieber Slevogt

[… ] Zu thun giebt es freilich genug hier, denn die Not der armen Bevölkerung ist infolge der Arbeitslosigkeit groß. Wir haben zunächst eine Volksküche zur Speisung völlig Mittelloser gegründet.

Ich selbst muß mich nächster Tage zum Landsturm stellen; ich weiß natürlich noch nicht, ob ich gebraucht werde, denn der Andrang aller irgendwie Dienstfähigen ist ein ganz Enormer. In meiner Familie sind einige im aktiven Heer, andere haben sich zum Automobilkorps gemeldet und ihre Autos zur Verfügung gestellt.

Ob Sie mit Nachrichten so versehen sind, wie wir hier, weiß ich nicht. Der enge Zusammenschluß des ganzen Volkes ist wirklich imponierend.

Die fabelhafte Korrektheit der militärischen Organisation ist imponierend und das Vertrauen zum Heer ist ein ganz Bedingungsloses. Die Nachrichten von beiden Grenzen (auch sehr zuverlässige Privatnachrichten, die ich habe) sind ausgezeichnet, und es scheint, als ob gerade in diesen Tagen ein großer und vielleicht entscheidender Schlag geführt wird.

Dieser furchtbare Krieg, der notwendig war, weil ein europäisches Komplott ihn Deutschland u. Österreich in einigen Jahren aufzwingen wollte, wird freilich unsere kulturellen Beziehungen zu den Völkern für Jahre ins Schwanken bringen, aber es wird hoffentlich die schwüle Atmosphäre in Europa beseitigen und uns zu ungeahntem Aufschwung bringen.

Meine Arbeit ruht natürlich vollkommen. Und wann man in Deutschland wieder an Kunst wird denken können, das weiß der Himmel.

Seien Sie herzlich gegrüßt Ihr Bruno Cassirer

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